Klimaschutz
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Vernunft für die Welt

Manifest der Architekten, Ingenieure und Stadtplaner für eine zukunftsfähige Architektur und Ingenieursbaukunst

Der Schutz des Klimas erfordert ein neues Denken, eine neue Entschlossenheit und eine neue Verbundenheit über alle Grenzen hinweg. In dem Manifest „Vernunft für die Welt“ haben Architekten, Ingenieure, Stadtplaner, Landschafts- und Innenarchitekten gemeinsam Prinzipien und Perspektiven für eine zukunftsfähige Architektur und Ingenieurbaukunst formuliert, die dem verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen der Erde gerecht werden.

Anlässlich der Übergabe an Bundesminister Tiefensee am 27. März 2009 wird das Manifest „Vernunft für die Welt“ von den Präsidenten des BDA und des VBI, Michael Frielinghaus und Volker Cornelius, vorgestellt. Über notwendige Allianzen und Strategien für eine zukunftsfähige Architektur und Ingenieurbaukunst sprechen der Architekt Meinhard von Gerkan, der Ingenieur Jan Knippers und Bernhard H. Hansen als Vorsitzender der Vivico Real Estate GmbH.

Mit angefügtem Programmflyer möchten wir Sie herzlich am 27. März in das Bundesbauministerium einladen.

Architekten, Ingenieure, Stadtplaner, Land­schafts- und Innenarchitekten sind aufgerufen, das Manifest „Vernunft für die Welt“ mit zu unterzeichnen und ihren Anspruch öffentlich zu bekunden. Ab dem 27. März ist ebenfalls eine Unterzeichnung unter www.klima-manifest.de möglich.

Bernd Blaufelder

 

Pressemitteilung vom 27. März 2009

Manifest der Architekten, Ingenieure und Stadtplaner für eine zukunftsfähige Architektur und Ingenieurbaukunst

Führende Vertreter des Bundes Deutscher Architekten BDA, der Bundesarchitektenkammer, der Bundesingenieurkammer und anderer Berufsverbände haben am heutigen Freitag dem Bundesminister Wolfgang Tiefensee das Manifest „Vernunft für die Welt“ überreicht.

Das Manifest ist eine Selbstverpflichtung der deutschen Architekten, Stadtplaner und Ingenieure zu klimagerechtem und umweltschonendem Planen und Bauen. Anlässlich der feierlichen Übergabe des Manifests plädierte Michael Frielinghaus als Präsident des BDA für einen Paradigmenwechsel: „Der Schutz des Klimas erfordert ein neues Denken, eine neue Entschlossenheit und eine neue Verbundenheit über alle Grenzen hinweg. Wir betrachten das Manifest als eine Selbstverpflichtung unseres Berufsstandes für eine gebaute Umwelt, die unsere Welt auch für nachfolgende Generationen lebenswert erhält.“
Öffentliche und private Gebäude verbrauchen derzeit rund 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs – dadurch entsteht 20 Prozent der CO2-Emission. „Daher brauchen wir ein konsequentes Umdenken und einen Innovationsschub, um die anstehenden ökologischen Fragen zu lösen.“
Bundesminister Tiefensee begrüßte das gemeinsam von den planenden Berufen getragene Manifest außerordentlich. In seiner Danksagung führte aus, dass er sich als Bundesminister für angemessene politische Rahmenbedingungen einsetzen wird, die den Paradigmenwechsel für eine nachhaltige Architektur und Stadtplanung ermöglichen.

Das Manifest wird als deutscher Beitrag der Architekten und Ingenieure als deutscher Beitrag in die UN Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen eingebracht.
Bilder von der Veranstaltung stellen wir gern zur Verfügung.

Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Public Relations Dr. Olaf Bahner
Köpenicker Str. 48/49
10179 Berlin-Mitte
Tel. --49(0)30.27 87 99 0
Fax --49(0)30.27 87 99 15
bahner@bda-bund.de
www.bda-architekten.de SEB AG

 

Präambel

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Mensch den Klimawandel verantwortet,
ist unumstößlich. Die Temperatur unserer Biosphäre hat sich während der letzten
100 Jahre wahrnehmbar erhöht. Wetterextreme nehmen mehr und mehr zu. Wenn
wir unsere Lebens- und Verhaltensweisen nicht ändern, wird sich die Erwärmung der
Erde mit verheerenden Folgen auf unser Leben und auf die Zukunft nachfolgender
Generationen auswirken.

Noch ist ein Gegensteuern möglich: Wenn wir uns in einer gemeinsamen Anstrengung
zusammenfinden, ist der Klimawandel in Grenzen zu halten. Aber alle weitreichenden
Ziele einer nachhaltigen Entwicklung werden bislang viel zu zögerlich verfolgt. Das
gilt für die Gesellschaft, für den Staat, für die Wirtschaft und für die Wissenschaften.
Es fehlen Entschlossenheit, Entschiedenheit, Mut und Neugierde. Alle gesellschaftlichen
Gruppen sind jetzt gefordert. Mit diesem Manifest bekennen wir uns als Architekten,
Ingenieure und Stadtplaner ausdrücklich zur besonderen Verantwortung unserer
Profession: Mit nachhaltiger Architektur und Ingenieurbaukunst können und wollen
wir einen entscheidenden Baustein zum notwendigen Wandel in der Nutzung unserer
natürlichen Ressourcen liefern.

Wir müssen...

mit der Planung und Gestaltung unserer Städte und Bauwerke eine ökologische
Wende erreichen,
› ... indem wir den Einsatz von Energie, Material und Boden um ein Vielfaches
verringern,
› ... indem wir umweltschädliche Emissionen vermeiden,
› ... indem wir den Einsatz der Baustoffe so planen, dass sie nach ihrer Nutzung zur
Grundlage neuer Produkte werden.

Wir wollen...
die zukunftsfähige Stadt,
› ... die durch ihre Struktur auch ein von ökologischen Prinzipien geleitetes
gesellschaftliches Leben ermöglicht,
› ... die sich durch einen gezielten Umbau vom Energiekonsumenten zum Energieproduzenten
wandelt,
› ... die durch eine sinnvolle Verdichtung Flächen schont und dem demographischen
Wandel gerecht wird,
› ... in der der öffentliche Nahverkehr Priorität gegenüber dem motorisierten
Individualverkehr genießt,
› ... deren Wasserverbrauch durch intelligente Systeme reduziert wird,
› ... deren Materialeinsatz auf einem Kreislaufwirtschaftssystem beruht, das gebrauchte
Stoffe sinnvoll weiterverwendet.

Wir wollen...
eine ressourcenschonende Architektur und Ingenieurbaukunst,
› ... bei denen das Paradigma der Nachhaltigkeit zum Leitmotiv der Planung und der
Ausführung wird,
› ... bei denen die physikalischen, biologischen und technischen Eigenschaften aller
beteiligten Systeme so zueinander in Beziehung gesetzt werden, dass sie sich in
ihren Wirkungen ergänzen,
› ... die vorwiegend auf regionalen Materialien basieren, um unnötige Transportwege
für den oft überflüssigen Import zu vermeiden,
› ... die auf natürliche Kreisläufe statt auf energieintensive Technik setzen,
› ... die regionale Bautraditionen im Diskurs mit zukunftsweisenden Ansätzen zu einer
neuen Architektur und Ingenieurbaukunst verbinden,
› ... die sich in architektonisch neuer Gestalt und Form sowohl in die Infrastruktur und
das Bild unserer Städte einfügen und zugleich als lesbares Zeichen den Wandel
unserer Haltung zeigen.

Wir wollen...
ein geschärftes Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung,
› ... damit wir nicht länger die komplexen ökologischen Probleme in dem eingleisigen
Denken der Gegenwart, sondern in einem übergreifenden Verständnis betrachten,
› ... damit staatliche Forschungsetats in die Entwicklung von Konzepten investiert
werden, die das ökologische Bauen als Gesamtheit von Baukonstruktion, Material,
Nutzung und Gestaltung betrachten,
› ... damit an allen Hochschulen ein übergreifendes Verständnis des ökologischen
Zusammenspiels der Planung und Gestaltung von Stadt und Architektur Grundlage
von Lehre und Forschung wird,
› ... damit Deutschland als wichtiger globaler Verantwortungsträger zum Vorreiter für
klimagerechte Architektur und Ingenieurbaukunst wird.

Wir werden...
unser Engagement durch unseren persönlichen Einsatz glaubhaft darstellen,
› ... indem wir uns für einen zukunftsfähigen Städtebau mit einer nachhaltigen
Architektur und Ingenieurbaukunst einsetzen, deren besondere Qualität
gleichermaßen durch funktionale, ästhetische und ökologische Aspekte bestimmt
wird,
› ... indem wir dem Klimawandel mit einem globalen Bewusstsein entgegenwirken
und mit Respekt vor anderen Kulturen spezifische Lösungen erarbeiten, die die
Klimaauswirkungen und ökologischen Probleme weltweit lösen helfen,
› ... indem wir uns für eine Fortbildung von Architekten, Stadtplanern und Ingenieuren
einsetzen, die das Bewusstsein und die Fähigkeiten des Planens und Bauens von
nachhaltiger Architektur und Ingenieurbaukunst verbessern,
› ... indem wir mit den relevanten öffentlichen und privaten Akteuren Anreize für
ein nachhaltiges Bauen und eine klimagerechte Stadtentwicklung gemeinsam
entwickeln und beschließen,
› ... indem wir auf dieser Basis die Nachhaltigkeit der von uns geplanten Gebäude und
Stadtquartiere in von uns mitentwickelten Bewertungsmethoden transparent
machen,
› ... indem wir die Forschung und Entwicklung für spezifische Aufgaben des
ressourcenschonenden Bauens intensivieren und gemeinsam mit der Baustoffindustrie
entsprechende Serienlösungen realisieren,
› ... indem wir gemeinsam mit der Bauindustrie und den Handwerkern eine ökologische
Architektur und Ingenieurbaukunst verwirklichen, die eine Investition in die
Zukunft ist. Tragende Institutionen:

Das Manifest der deutschen Architekten, Ingenieure und Stadtplaner ist der Prüfstein
für die ethische Grundhaltung unserer Professionen. Um dies öffentlich zu dokumentieren,
werden wir regelmäßig über den Stand der Umsetzung unserer Selbstverpflichtung
Rechenschaft ablegen.

Architekten, Ingenieure, Stadtplaner, Landschafts- und Innenarchitekten sind aufgerufen,
das Manifest„Vernunft für die Welt“mit zu unterzeichnen und ihren Anspruch
öffentlich zu bekunden.

Die Unterzeichnung des Manifestes ist unter www.klima-manifest.de möglich.

BLZ 100 101 11 

Übergabe an Bundesbauminister Tiefensee und Unterzeichnung

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